Migrationsdebatte besorgt Caritasverband München-Freising
München, 31. Januar 2025 – Die aktuellen politischen Initiativen im Bundestag und die sich verschärfende Tonlage in der Diskussion um die Migrationspolitik bereiten dem Caritasverband der Erzdiözese München und Freising e.V. große Sorgen. Prof. Hermann Sollfrank, Caritasdirektor und Vorstandsvorsitzender des Verbands, sagt: „Was gerade passiert, macht uns als Verband betroffen. Betroffen für die Migrantinnen und Migranten, die bei uns Zuflucht gesucht haben und jetzt sehr oft Angst haben und nun konkrete Anfeindungen und rechtliche Einschränkungen befürchten. Betroffen für unser Land und unsere Gesellschaft, die bisher auf Rechtskonformität und Rechtsstaatlichkeit gebaut waren. Betroffen für unsere verfassungsrechtliche Grundlegung, die unser Grundgesetz darstellt, und in dem aus guten Gründen unsere Grundrechte verankert worden sind. Wir müssen sehr klug überlegen, wie weit wir nun vieles von dem, was uns die Erfahrungen unserer Geschichte gelehrt haben, preisgeben wollen.“
Im Caritasverband München-Freising sind rund 10.000 Mitarbeitende beschäftigt. Sie kommen aus 107 Nationen und arbeiten Tag für Tag für Menschen, die Hilfe und Unterstützung brauchen. Prof. Sollfrank unterstreicht: „Inklusion und Integration sind bei uns Realität und Teil unserer Identität. Wir sind als Verband vielfältig und unterschiedlich und wirken doch gemeinsam mit gleichem Wertekanon für identische Ziele und Aufgaben.“
Es sei verständlich, so die Präsidentin des Deutschen Caritasverbands, Eva Welskop-Deffaa, dass angesichts der jüngsten Ereignisse von Aschaffenburg bis Beelitz, durch die Corona-Krise, den Ukraine-Krieg, Klimawandel und Wirtschaftsschwäche sich das Unsicherheitsgefühl der Menschen in Deutschland verstärkt habe. Dennoch: „Unser Grundgesetz darf nicht zur Disposition stehen!“ Tragfähige Lösungen erforderten neben Entschlossenheit auch Augenmaß und Rechtskonformität. Unsere Grundrechte, denen wir seit über 75 Jahren Freiheit und Frieden verdankten, dürften dafür nicht geopfert werden.
In Richtung Politik mahnt Sollfrank: „Haben Sie bitte immer im Blick: Was Sie tun, was wir tun, kann unmittelbare Not bei Menschen erzeugen. Die Art und Weise, wie Diskussionen, wie politische Debatten geführt werden, haben auch Auswirkungen darauf, wie sich Menschen wertgeschätzt fühlen, die seit Jahren in Deutschland leben und hart arbeiten.“
Sollfrank plädiert dafür, in der Migrationsdebatte mit Besonnenheit vorzugehen und nicht etwaige Ängste in der Bevölkerung mit falschen und nur vermeintlich einfachen Lösungen zu verstärken. Migrationspolitik sei kein nationales, sondern ein europäisches Thema und könne deshalb auch nur in Zusammenarbeit vieler gelöst werden. Bei Zurückweisungen an der
Hilfe. Sein Motto lautet: „Nah.Am.Nächsten.“